Der Aufschneider
Nachdem nun die fiktiven Feierlichkeiten der Bloghochzeit - einer ebenso amüsanten wie spannenden Herausforderung - hinter mir liegen, kann ich mich getrost wieder meinem normalen Barbetrieb und damit meinem Bar-Tagebuch zuwenden.
Die Geschichte, die ich Ihnen als nächste erzählen will, handelt von einem Gast, den ich den Aufschneider nenne.
(Und ich hoffe, Sie verzeihen mir, daß ich Sie so lange darauf warten ließ).
Wenn man IHM glaubt, ist er ein Tausendsassa: Mit allen Wassern gewaschen, auf allen Sätteln geritten.
Wenn ich seinen Geschichten zuhöre - mich einlasse auf jede Fata Morgana, die er vor meinen Augen erschafft - also, wenn ich einmal ausblende, wie sehr er sich bemüht, seine eigene Bedeutungslosigkeit aufzupolieren, selbst DANN trägt er für meinen Geschmack einfach viel zu dick auf.
Außerdem haben seine Lügen kurze Beine - die Barfrau Lulu aber ein Gedächtnis wie ein Elefant. Schon von Berufs wegen, meine ich.
Mein Service wäre kein Service, ließe mein Gedächtnis mich im Stich.
Die Bar lebt davon, dass ich weíß, welcher meiner Gäste was, wann und wieviel davon trinkt. Und da ich mich darüber hinaus auch für die Geschichten meiner Gäste interessiere, bemerke ich natürlich, dass das, was der Tausendsassa mir letzte Woche am Tresen erzählte, heute völlig anders klingt als beim letzten Mal.
Sein Leben scheint ein einzige Superlative: Angefangen von seinem atemberaubenden Werdegang über die exotischsten Hobbies bis zum extravaganten Lebensstil.
Nur, daß ich von dieser angeblichen Extravaganz nie etwas zu sehen bekomme. Denn während er prahlt und angibt, hält er sich den ganzen Abend über an EINEM Paris Opera fest.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, es geht nicht darum, daß er Dutzende von Cocktails in sich hineinschütten müßte, damit für mich die Rechnung stimmt. So angewiesen, wie er sich gerne einbildet, bin ich nämlich auf die lächerlichen dreißig Cent Trinkgeld, die er mir großzügiger Weise gibt, nun wirklich nicht.
Ich sei heute ziemlich ärgerlich, vermuten Sie, lieber Leser?
Sie haben Recht, das BIN ich in der Tat. Obwohl ich doch weiss, wie sinnlos es ist, wütend über den Aufschneider zu sein.
Denn wenn ich versuche, Ihnen und auch mir selbst Rechenschaft darüber abzulegen, WORÜBER ich mich wirklich aufrege, komme ich zu dem ebenso einfachen wie unangenehmen Schluß: In Wahrheit ärgere ich mich über mich selbst! Und über meine Unfähigkeit, diesem Hans-Dampf-in-allen-Gassen lächelnd ins Gesicht zu sehen und zu sagen, was mir seit langem auf der Zunge liegt.
Einmal nur möchte ich den Satz über meine Lippen bringen, der lautet: "Sie werden es mir vielleicht übel nehmen, aber ich glaube Ihnen kein einziges Wort!"
Wozu die Mühe? werden Sie sich fragen. Warum ist die Barfrau mit einem Male päpstlicher als der Papst?
Warum sieht sie sich genötigt, einen - wie sie selbst sagt - bedeutungslosen Zeitgenossen mit ihrer schonungsloser Offenheit zu kontrontieren, wo sie doch täglich mit den absonderlichsten Kunden zu tun hat?
Ich weiß nicht, ob die Antwort Sie wirklich befriedigen wird, dennoch will ich versuchen, Ihnen eine zu geben - obwohl ich nicht sicher bin, ob es die Ultima ratio ist: Ich würde mich schlicht und ergreifend BESSER fühlen, einem so unverfrorenen und dreisten Lügener einmal Paroli geboten zu haben und ihn ein für alle Mal von dem Glauben zu befreien, daß Jede(r) seine Geschichten für bare Münze nimmt.
Da ich mich jedoch (zumindest in absehbarer Zeit) nicht dazu werde durchringen können, einen (wie auch immer gearteten) Gast vor den Kopf zu stoßen, trinken Sie einen Paris Opera auf mich und wünschen Sie mir "Gute Besserung!" für meine vorübergehende Unleidlichkeit.
Die Geschichte, die ich Ihnen als nächste erzählen will, handelt von einem Gast, den ich den Aufschneider nenne.
(Und ich hoffe, Sie verzeihen mir, daß ich Sie so lange darauf warten ließ).
Wenn man IHM glaubt, ist er ein Tausendsassa: Mit allen Wassern gewaschen, auf allen Sätteln geritten.
Wenn ich seinen Geschichten zuhöre - mich einlasse auf jede Fata Morgana, die er vor meinen Augen erschafft - also, wenn ich einmal ausblende, wie sehr er sich bemüht, seine eigene Bedeutungslosigkeit aufzupolieren, selbst DANN trägt er für meinen Geschmack einfach viel zu dick auf.
Außerdem haben seine Lügen kurze Beine - die Barfrau Lulu aber ein Gedächtnis wie ein Elefant. Schon von Berufs wegen, meine ich.
Mein Service wäre kein Service, ließe mein Gedächtnis mich im Stich.
Die Bar lebt davon, dass ich weíß, welcher meiner Gäste was, wann und wieviel davon trinkt. Und da ich mich darüber hinaus auch für die Geschichten meiner Gäste interessiere, bemerke ich natürlich, dass das, was der Tausendsassa mir letzte Woche am Tresen erzählte, heute völlig anders klingt als beim letzten Mal.
Sein Leben scheint ein einzige Superlative: Angefangen von seinem atemberaubenden Werdegang über die exotischsten Hobbies bis zum extravaganten Lebensstil.
Nur, daß ich von dieser angeblichen Extravaganz nie etwas zu sehen bekomme. Denn während er prahlt und angibt, hält er sich den ganzen Abend über an EINEM Paris Opera fest.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, es geht nicht darum, daß er Dutzende von Cocktails in sich hineinschütten müßte, damit für mich die Rechnung stimmt. So angewiesen, wie er sich gerne einbildet, bin ich nämlich auf die lächerlichen dreißig Cent Trinkgeld, die er mir großzügiger Weise gibt, nun wirklich nicht.
Ich sei heute ziemlich ärgerlich, vermuten Sie, lieber Leser?
Sie haben Recht, das BIN ich in der Tat. Obwohl ich doch weiss, wie sinnlos es ist, wütend über den Aufschneider zu sein.
Denn wenn ich versuche, Ihnen und auch mir selbst Rechenschaft darüber abzulegen, WORÜBER ich mich wirklich aufrege, komme ich zu dem ebenso einfachen wie unangenehmen Schluß: In Wahrheit ärgere ich mich über mich selbst! Und über meine Unfähigkeit, diesem Hans-Dampf-in-allen-Gassen lächelnd ins Gesicht zu sehen und zu sagen, was mir seit langem auf der Zunge liegt.
Einmal nur möchte ich den Satz über meine Lippen bringen, der lautet: "Sie werden es mir vielleicht übel nehmen, aber ich glaube Ihnen kein einziges Wort!"
Wozu die Mühe? werden Sie sich fragen. Warum ist die Barfrau mit einem Male päpstlicher als der Papst?
Warum sieht sie sich genötigt, einen - wie sie selbst sagt - bedeutungslosen Zeitgenossen mit ihrer schonungsloser Offenheit zu kontrontieren, wo sie doch täglich mit den absonderlichsten Kunden zu tun hat?
Ich weiß nicht, ob die Antwort Sie wirklich befriedigen wird, dennoch will ich versuchen, Ihnen eine zu geben - obwohl ich nicht sicher bin, ob es die Ultima ratio ist: Ich würde mich schlicht und ergreifend BESSER fühlen, einem so unverfrorenen und dreisten Lügener einmal Paroli geboten zu haben und ihn ein für alle Mal von dem Glauben zu befreien, daß Jede(r) seine Geschichten für bare Münze nimmt.
Da ich mich jedoch (zumindest in absehbarer Zeit) nicht dazu werde durchringen können, einen (wie auch immer gearteten) Gast vor den Kopf zu stoßen, trinken Sie einen Paris Opera auf mich und wünschen Sie mir "Gute Besserung!" für meine vorübergehende Unleidlichkeit.
blogbart - 24. Dez, 02:01