VORSICHT, NACHBARN! PART III
Ein sonniger Donnerstagvormittag, wie er strahlender und schöner nicht sein könnte.
Während ich mich mit einem grossen Milchkaffee und der ersten Zigarette an das kleine Mosaiktischchen auf meiner Terrasse setze und Ronja Räubertochter, die Katze, auf ihrer routinemässigen Inspektion den Garten nach Mäusen durchkämmt, ist mir ein wenig wehmütig ums Herz.
Mein Lieblingsrosenbusch zu meiner Linken reckt mir stolz seine handtellergrossen, lachsfarbenen Blüten entgegen und gibt sich alle Mühe, mich mit seinem starken Duft zu betören. So viele Knospen wie in diesem Jahr hat er während der vergangenen 6 Jahre nie getragen - fast so, als wäre diese üppige Pracht sein Abschiedsgeschenk an mich.
Mein Lieblingsstück im Radio, das ich versonnen mitsumme, während meine kleine Freundin, die Blaumeise, auf das Windspiel in der Efeuhecke fliegt. Die silbernen Stäbe klingeln melodisch, als sie auf der oberen Holzscheibe landet.
Meine gefiederte Freundin legt den Kopf schief und betrachtet mich eindringlich mit ihren glänzenden, schwarzen Knopfäuglein. Sie weiss sehr genau, dass sie für den bezaubernden Trick, ihre Frühstückswünsche auf diese Art bei mir anzumelden, ein paar leckere Pinienkerne einheimsen wird.
Ich geniesse diesen ruhevollen Morgen, bis sich mit einem jähen Ruck die Balkontür über mir öffnet und die Schlange sich geräuschvoll über die Balkonkästen beugt, um die Idylle zu zerstören und den Frieden mit ihrer Anwesenheit zu vergiften.
"Machen Sie sofort das Radio leiser!", brüllt die Schlange, "sonst rufe ich den Vermieter an!"
Ich sehe auf die Uhr und gehe im Geiste die Ruhezeiten in der Hausordnung durch. Fehlanzeige.
Der Giftzwerg auf dem Balkon zittert bereits vor freudiger Erregung bei der Aussicht auf ein bevorstehendes Scharmützel und scheint gerade heute morgen akut herzinfarktgefährdet.
Hätte ich nicht schon gekündigt, würde ich mir die Gelegenheit wohl kaum entgehen lassen, ihm höchstpersönlich über den Jordan zu helfen, aber so fehlt mir ein wenig der Antrieb...
"Tun Sie das!", sage ich daher lapidar, "und am besten rufen Sie auch gleich noch den Bundesgrenzschutz und die Feuerwehr an!"
"Sie Dreckstück, halten Sie bloss die Schnauze!", schreit der Zwerg und bevor ich ihm sagen kann, dass jede neuerliche Beleidigung meiner Person eine weitere Anzeige nach sich ziehen wird, verschwindet der Irre türenknallend vom Balkon.
Diese Schlacht habe ich offenbar gewonnen - den Krieg in unserem Haus leider nicht.
Für Episoden wie die gerade beschriebene gibt es - neben der Tatsache, dass dieser Mann ein gescheiterter, neidzerfressener Architekt und Paranoiker ist, der der ganzen Welt die Schuld an seinem Versagen und dem Umstand gibt, dass er von seinem Balkon aus ständig in die Gärten der Erfolgreichen ringsum schauen muss - einen ebenso einfachen wie absurden Grund:
Lange vor meiner Zeit hat die Schlange gegenüber unserem Vermieter den Wunsch bekundet, meine jetzige Wohnung für einen seiner (nicht minder bekloppten) Söhne mieten zu wollen.
Der Vermieter, Herr S., brauchte damals nicht einmal fünf Sekunden, um Herrn Trimborns Ansinnen abschlägig zu bescheiden. Zwar nicht klug, aber zumindest vorsichtig geworden durch die vielen Nachbarschaftsstreite und Scharmützel, die Trimborns bis dahin mit ihm und Anderen anzettelt hatten, lautete seine Antwort laut eigener Aussage: "Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber einen weiteren Trimborn will ich nicht im Hause haben!" So weit - so gut!
Niemand - und am wenigsten ich - hätte vermutet, dass die Schmach eines einfachen "Nein" noch jahrelang in dem Verrückten kochen und brodeln würde. Und dass er sich seitdem der Aufgabe widmet, Jeden aus der Wohnung zu ekeln, die der Vermieter seinem Sprössling vor so vielen Jahren versagte.
Man denke nur an das türkische Pärchen vor mir, das sein Heil in einer kopflosen Flucht suchte und mir seine gesamte Wohnungseinrichtung (nebst Mikrowelle, einer tollen Stereoanlage und einer kompletten Schlafzimmereinrichtung) hinterliess, um nur möglichst schnell und problemlos weggehen zu können.
Besagter Sohn, der - möglicher Weise seither obdachlos geblieben - inzwischen zum Dauergast seiner Eltern avancierte und mehr Zeit auf dem Balkon über mir verbringt als irgendwo sonst, hat sich anscheinend - da fällt der Apfel wohl nicht weit vom Stamm - dem gleichen Ziel verschrieben:
Alle Wochen wieder sitzt er dort grimmig und stumm wie ein Fleisch gewordenes Mahnmal. Und da das Leben seiner Eltern wenig an Abwechslung zeitigt, belauscht er gern stundenlang die Unterhaltungen, die ich mit Freunden persönlich oder am Telefon führe.
Oder - wenn sich die Gelegenheit bietet - belauert er meinen Geschlechtsverkehr im Schlafzimmer, der - wie man sich sicher denken kann - ob dieses Spanners über mir inzwischen seltener geworden ist.
Als Kettenraucher darf er seinem Hobby in der Wohnung seiner Eltern nicht so exzessiv frönen, wie es seine Sucht verlangt. Das tut er - sicher haben Sie es schon erraten - auf dem Balkon über mir und meinen Schlafzimmerfenstern. Und zwar die ganze Nacht hindurch und auch am frühen Morgen. Ich weiss nicht, ob er sich zwischen seinen Raucherpausen auf dem Balkon in einen Schlafsack rollt - das Heraufziehen und Herablassen der Rolladen zum Zwecke des ungehinderten, (unter lautem Tischgerücke) zelebrierten Genusses spricht eigentlich dagegen - aber ICH schlafe inzwischen keine Nacht mehr als vier Stunden...
Bedarf es weiterer Worte? Muss ich die jüngste, absichtliche Rempelei am Mülleimer erwähnen, bei der die Schlange mir "unabsichtlich" einen Stoss vor die Brust versetzte?
Oder soll ich über die unzähligen Anzeigen sprechen, die ich zu jedem neuen Vorfall beim Polizeirevier des Ortes erstatte und die jedes Mal wegen Geringfügigkeit eingestellt werden?
Habe ich erwähnt, dass mein Vermieter inzwischen an Hautkrebs erkrankt ist und meine Kündigung mit den Worten entgegennahm: "Nehmen Sie es mir nicht krumm, Frau R., aber mir ist das ALLES scheissegal, ich habe wirklich andere Sorgen!"
Während ich mich mit einem grossen Milchkaffee und der ersten Zigarette an das kleine Mosaiktischchen auf meiner Terrasse setze und Ronja Räubertochter, die Katze, auf ihrer routinemässigen Inspektion den Garten nach Mäusen durchkämmt, ist mir ein wenig wehmütig ums Herz.
Mein Lieblingsrosenbusch zu meiner Linken reckt mir stolz seine handtellergrossen, lachsfarbenen Blüten entgegen und gibt sich alle Mühe, mich mit seinem starken Duft zu betören. So viele Knospen wie in diesem Jahr hat er während der vergangenen 6 Jahre nie getragen - fast so, als wäre diese üppige Pracht sein Abschiedsgeschenk an mich.
Mein Lieblingsstück im Radio, das ich versonnen mitsumme, während meine kleine Freundin, die Blaumeise, auf das Windspiel in der Efeuhecke fliegt. Die silbernen Stäbe klingeln melodisch, als sie auf der oberen Holzscheibe landet.
Meine gefiederte Freundin legt den Kopf schief und betrachtet mich eindringlich mit ihren glänzenden, schwarzen Knopfäuglein. Sie weiss sehr genau, dass sie für den bezaubernden Trick, ihre Frühstückswünsche auf diese Art bei mir anzumelden, ein paar leckere Pinienkerne einheimsen wird.
Ich geniesse diesen ruhevollen Morgen, bis sich mit einem jähen Ruck die Balkontür über mir öffnet und die Schlange sich geräuschvoll über die Balkonkästen beugt, um die Idylle zu zerstören und den Frieden mit ihrer Anwesenheit zu vergiften.
"Machen Sie sofort das Radio leiser!", brüllt die Schlange, "sonst rufe ich den Vermieter an!"
Ich sehe auf die Uhr und gehe im Geiste die Ruhezeiten in der Hausordnung durch. Fehlanzeige.
Der Giftzwerg auf dem Balkon zittert bereits vor freudiger Erregung bei der Aussicht auf ein bevorstehendes Scharmützel und scheint gerade heute morgen akut herzinfarktgefährdet.
Hätte ich nicht schon gekündigt, würde ich mir die Gelegenheit wohl kaum entgehen lassen, ihm höchstpersönlich über den Jordan zu helfen, aber so fehlt mir ein wenig der Antrieb...
"Tun Sie das!", sage ich daher lapidar, "und am besten rufen Sie auch gleich noch den Bundesgrenzschutz und die Feuerwehr an!"
"Sie Dreckstück, halten Sie bloss die Schnauze!", schreit der Zwerg und bevor ich ihm sagen kann, dass jede neuerliche Beleidigung meiner Person eine weitere Anzeige nach sich ziehen wird, verschwindet der Irre türenknallend vom Balkon.
Diese Schlacht habe ich offenbar gewonnen - den Krieg in unserem Haus leider nicht.
Für Episoden wie die gerade beschriebene gibt es - neben der Tatsache, dass dieser Mann ein gescheiterter, neidzerfressener Architekt und Paranoiker ist, der der ganzen Welt die Schuld an seinem Versagen und dem Umstand gibt, dass er von seinem Balkon aus ständig in die Gärten der Erfolgreichen ringsum schauen muss - einen ebenso einfachen wie absurden Grund:
Lange vor meiner Zeit hat die Schlange gegenüber unserem Vermieter den Wunsch bekundet, meine jetzige Wohnung für einen seiner (nicht minder bekloppten) Söhne mieten zu wollen.
Der Vermieter, Herr S., brauchte damals nicht einmal fünf Sekunden, um Herrn Trimborns Ansinnen abschlägig zu bescheiden. Zwar nicht klug, aber zumindest vorsichtig geworden durch die vielen Nachbarschaftsstreite und Scharmützel, die Trimborns bis dahin mit ihm und Anderen anzettelt hatten, lautete seine Antwort laut eigener Aussage: "Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber einen weiteren Trimborn will ich nicht im Hause haben!" So weit - so gut!
Niemand - und am wenigsten ich - hätte vermutet, dass die Schmach eines einfachen "Nein" noch jahrelang in dem Verrückten kochen und brodeln würde. Und dass er sich seitdem der Aufgabe widmet, Jeden aus der Wohnung zu ekeln, die der Vermieter seinem Sprössling vor so vielen Jahren versagte.
Man denke nur an das türkische Pärchen vor mir, das sein Heil in einer kopflosen Flucht suchte und mir seine gesamte Wohnungseinrichtung (nebst Mikrowelle, einer tollen Stereoanlage und einer kompletten Schlafzimmereinrichtung) hinterliess, um nur möglichst schnell und problemlos weggehen zu können.
Besagter Sohn, der - möglicher Weise seither obdachlos geblieben - inzwischen zum Dauergast seiner Eltern avancierte und mehr Zeit auf dem Balkon über mir verbringt als irgendwo sonst, hat sich anscheinend - da fällt der Apfel wohl nicht weit vom Stamm - dem gleichen Ziel verschrieben:
Alle Wochen wieder sitzt er dort grimmig und stumm wie ein Fleisch gewordenes Mahnmal. Und da das Leben seiner Eltern wenig an Abwechslung zeitigt, belauscht er gern stundenlang die Unterhaltungen, die ich mit Freunden persönlich oder am Telefon führe.
Oder - wenn sich die Gelegenheit bietet - belauert er meinen Geschlechtsverkehr im Schlafzimmer, der - wie man sich sicher denken kann - ob dieses Spanners über mir inzwischen seltener geworden ist.
Als Kettenraucher darf er seinem Hobby in der Wohnung seiner Eltern nicht so exzessiv frönen, wie es seine Sucht verlangt. Das tut er - sicher haben Sie es schon erraten - auf dem Balkon über mir und meinen Schlafzimmerfenstern. Und zwar die ganze Nacht hindurch und auch am frühen Morgen. Ich weiss nicht, ob er sich zwischen seinen Raucherpausen auf dem Balkon in einen Schlafsack rollt - das Heraufziehen und Herablassen der Rolladen zum Zwecke des ungehinderten, (unter lautem Tischgerücke) zelebrierten Genusses spricht eigentlich dagegen - aber ICH schlafe inzwischen keine Nacht mehr als vier Stunden...
Bedarf es weiterer Worte? Muss ich die jüngste, absichtliche Rempelei am Mülleimer erwähnen, bei der die Schlange mir "unabsichtlich" einen Stoss vor die Brust versetzte?
Oder soll ich über die unzähligen Anzeigen sprechen, die ich zu jedem neuen Vorfall beim Polizeirevier des Ortes erstatte und die jedes Mal wegen Geringfügigkeit eingestellt werden?
Habe ich erwähnt, dass mein Vermieter inzwischen an Hautkrebs erkrankt ist und meine Kündigung mit den Worten entgegennahm: "Nehmen Sie es mir nicht krumm, Frau R., aber mir ist das ALLES scheissegal, ich habe wirklich andere Sorgen!"
blogbart - 24. Dez, 02:38